AI Act für kleine Unternehmen: Die EAA-Ausnahme rettet Sie nicht
12. Juli 2026
Kurze Antwort. Nein, klein zu sein befreit Sie nicht. Der European Accessibility Act kennt eine Ausnahme für Kleinstunternehmen, der EU AI Act nicht. Wenn Sie einen Chatbot betreiben oder KI-Inhalte anzeigen, greift die Transparenzpflicht aus Artikel 50 ab dem 2. August 2026, ob Sie nun soloselbstständig oder börsennotiert sind.
Gilt der AI Act für kleine Unternehmen und Selbstständige?
Ja. Der AI Act funktioniert für kleine Unternehmen anders als die meisten EU-Vorschriften: Die Transparenzpflicht kennt keine Schwelle bei Umsatz oder Mitarbeiterzahl. Das Gesetz schaut darauf, was Ihre KI tut, nicht darauf, wie groß Sie sind.
Was zählt, ist Ihre Rolle. Das Gesetz unterscheidet zwischen Anbietern (die KI entwickeln, etwa OpenAI oder Ihr Chat-Anbieter) und Betreibern (Unternehmen, die fremde KI einsetzen, so der Begriff im Gesetzestext). Ein Einzelunternehmen mit einem KI-Chatbot von Shopify, Intercom oder Tidio ist ein Betreiber, und auch Betreiber haben eine Transparenzpflicht, sobald ihre KI für Besucher sichtbar ist. Sie müssen keine einzige Zeile Code schreiben, um darunterzufallen.
Die EAA-Ausnahme, die Sie nicht rettet: Kleinstunternehmen versus AI Act
Hier geht oft etwas schief. Viele kleinere Unternehmen haben sich mit dem European Accessibility Act beschäftigt und einen beruhigenden Satz gelesen: Kleinstunternehmen sind ausgenommen. Das stimmt, aber nur für dieses Gesetz und nur für Dienstleistungen.
Die Kleinstunternehmen-Ausnahme der EAA ist eng umrissen:
- Weniger als 10 Mitarbeiter und
- ein Jahresumsatz oder eine Bilanzsumme unter 2 Millionen Euro.
Beide Bedingungen zugleich. Wenn Sie als Dienstleister darunter bleiben, müssen Sie die Barrierefreiheitsanforderungen selbst nicht erfüllen.
Der AI Act kennt dieses Schlupfloch nicht. Keine 10-Mitarbeiter-Grenze, keine 2-Millionen-Schwelle, keine Ausnahme für Kleinstunternehmen. Genau das Unternehmen, das sich unter der EAA in Sicherheit wähnt, fällt trotzdem unter die Transparenzpflicht nach Artikel 50, sobald es einen KI-Chatbot betreibt oder KI-Texte anzeigt. Zwei Gesetze, zwei Logiken: Die EAA skaliert mit Ihrer Größe, der AI Act hängt an Ihrer KI.
Was ein Kleinstunternehmen nach Artikel 50 sehr wohl erfüllen muss
Die Pflicht ist überschaubar, auch für ein kleines Team. Für die meisten Websites zählen drei Dinge:
- Chatbot-Hinweis. Wenn ein Besucher mit KI spricht, muss er das spätestens beim ersten Kontakt wissen. Ein deutlicher Hinweis im oder über dem Chatfenster genügt; versteckt in den AGB reicht nicht. Was dieser Hinweis enthalten muss, lesen Sie im Beitrag dazu, ob Ihr Chatbot offenlegen muss, dass er KI ist.
- KI-Inhalte markieren. Texte, Bilder oder Audio, die von KI erstellt oder bearbeitet wurden, müssen maschinenlesbar als KI-Output markiert sein. Für generative Systeme, die schon vor dem 2. August 2026 liefen, gilt eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026.
- Deepfakes kennzeichnen. Bilder, Audio oder Video, die echt wirken, aber von KI stammen, müssen sichtbar als solche gekennzeichnet sein.
Wenn Sie zuerst klären möchten, ob Ihre Website überhaupt darunterfällt, gehen Sie die Checkliste für Unternehmen durch.
Das Bußgeld hängt nicht von Ihrer Größe ab
Auch bei der Durchsetzung gibt es keinen Rabatt für kleine Unternehmen. Auf Verstöße gegen die Transparenzpflicht stehen Bußgelder von bis zu 15 Millionen Euro oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes (je nachdem, welcher Betrag höher ist), durchgesetzt von der jeweils zuständigen nationalen Aufsichtsbehörde. Für ein kleines Unternehmen wiegt die Umsatzvariante meist leichter, aber die feste Obergrenze von 15 Millionen Euro bleibt in voller Höhe bestehen.
Und es gibt eine Pflicht, die bereits vor 2026 begonnen hat. Die KI-Kompetenz (Artikel 4) gilt schon seit dem 2. Februar 2025: Wer mit KI arbeitet, muss genug davon verstehen. Keine Prüfung, aber nachweisbares Grundwissen, passend dazu, wie Sie KI einsetzen. Für ein kleines Team genügt dafür weitgehend eine kurze, schriftlich festgehaltene Erläuterung dazu, was Ihre KI kann und was nicht.
Was Sie als kleines Unternehmen jetzt in einer Stunde erledigen
Drei Schritte bringen Sie weit: Halten Sie fest, welche KI Sie anzeigen (Chat-Widget, KI-Texte, KI-Bilder), prüfen Sie, ob der Hinweis an Ihrem Chatbot aktiv ist, und markieren Sie die KI-Inhalte, die Sie öffentlich zeigen. Diese Übersicht ist später Ihr Nachweis gegenüber einer Aufsichtsbehörde.
Genau das stellt der KI-Transparenzcheck von Seviranta bereit. Wir erkennen, welches Chat-Widget auf Ihrer Website läuft; ob es KI-gestützt ist, bestätigen Sie selbst; den Hinweistext und ein KI-Register liefern wir als Nachweis dazu, und die automatische Prüfung, ob der Hinweis wirklich aktiv ist, ist der angekündigte nächste Schritt. Für 29 Euro pro Monat oder 290 pro Jahr (zzgl. MwSt.), einzeln buchbar oder als Erweiterung Ihres Seviranta-Plans.
Klein zu sein ist unter dem AI Act kein Freibrief, aber auch kein großes Projekt. Scannen Sie Ihre Website kostenlos und sehen Sie in einer Minute, welches Widget Sie einsetzen und wo Sie stehen.
Quellen: Artikel 50, EU AI Act · Umsetzungszeitplan des AI Act