KI-Kompetenz (Artikel 4): Was muss Ihr Team seit Februar 2025 wissen?
12. Juli 2026
Kurze Antwort: dass die Pflicht bereits gilt. Seit dem 2. Februar 2025 verlangt Artikel 4 des EU AI Act, dass alle, die bei Ihnen mit KI arbeiten, genug davon verstehen: was das Tool kann und was nicht, und wann ein Mensch gegenprüfen muss. Keine Prüfung und kein Zertifikat, aber nachweisbares Grundwissen, das dazu passt, wie Sie KI einsetzen, und das Sie dokumentieren. Diese Pflicht greift damit früher als die bekannte Chatbot-Kennzeichnung, die erst am 2. August 2026 in Kraft tritt.
Was bedeutet KI-Kompetenz (Artikel 4) genau?
Artikel 4 verlangt von Anbietern und Betreibern von KI-Systemen, dass sie "nach besten Kräften" für ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz (englisch: AI literacy) bei ihrem Personal und bei allen sorgen, die in ihrem Auftrag mit KI arbeiten. Der Maßstab ist nicht absolut: Das Gesetz knüpft ihn an das Wissen, die Erfahrung und die Ausbildung Ihres Teams sowie an den Kontext, in dem Sie die KI nutzen. Kurz gesagt: KI-Kompetenz ist seit dem 2. Februar 2025 Pflicht, nicht erst künftig.
Wichtig für Online-Shops: Wer KI von einem anderen Anbieter einsetzt (einen Chatbot von Shopify, Intercom oder Tidio oder einen Text- oder Bildgenerator), ist im Gesetz ein "Betreiber" (Deployer). Auch Betreiber fallen unter Artikel 4. Sie müssen keine KI bauen, um darunter zu fallen; Sie müssen sie nur nutzen.
Gilt Artikel 4 auch für kleine Unternehmen?
Ja. Anders als der European Accessibility Act kennt der EU AI Act keine Ausnahme für kleine oder Kleinstunternehmen. Während der EAA Dienstleistungen von Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten und 2 Millionen Euro Umsatz ausnimmt, gilt KI-Kompetenz unabhängig von Ihrer Größe. Was hingegen mitwächst, ist die Tiefe: Ein Team aus drei Personen mit einem einzigen Support-Chatbot braucht eine leichtere Umsetzung als eine Agentur, die KI in Kundenprodukte einbaut.
Die erste Frage ist also einfach: Läuft in Ihrer Organisation KI? Wir erkennen, welches Chat-Widget auf Ihrer Website läuft; ob es KI-gestützt ist, bestätigen Sie selbst bei Ihrem Anbieter. Nutzen Sie daneben KI für Produkttexte oder Übersetzungen, zählt das genauso mit.
Keine Prüfung, aber nachweisbar: Was "ausreichend" bedeutet
Es gibt keinen Test, kein Diplom und keinen Pflichtkurs. Das Gesetz verlangt Anstrengung "nach besten Kräften", und in der Praxis bedeutet das: Sie können zeigen, dass Ihr Team weiß, was die KI kann und was nicht, wo die Risiken liegen (Fehler, erfundene Antworten, Datenschutz) und wann ein Mensch gegenprüfen muss.
Das EU AI Office führt eine öffentliche Übersicht darüber, wie Organisationen das angehen. Achten Sie auf eines: Die Kommission weist selbst darauf hin, dass das ungeprüfte Übernehmen fremder Ansätze Sie nicht automatisch auf die sichere Seite bringt. KI-Kompetenz ist also kein Häkchen, das Sie irgendwo kopieren, sondern etwas, das zu Ihrer KI passt und das Sie dokumentieren.
So setzen Sie KI-Kompetenz schlank und nachweisbar um
Für die meisten Online-Shops und KMU-Teams ist das an einem Nachmittag erledigt:
- Erfassen Sie Ihre KI. Welche Tools nutzen Sie, von welchem Anbieter und wofür (Chat, Texte, Bilder, Übersetzungen)? Diese Übersicht ist die Grundlage und zugleich Ihr erster Nachweis.
- Erklären Sie je Rolle kurz, was die KI tut, worauf Ihr Team achten muss und wann man einer Antwort nicht blind vertrauen darf. Eine klare Seite pro Aufgabe genügt.
- Halten Sie fest, dass es geschehen ist: Datum, wer die Erklärung erhalten hat und was behandelt wurde. Genau das ist der Nachweis, den Sie bei einer Aufsichtsbehörde brauchen.
- Halten Sie es lebendig. Neues Tool oder neues Teammitglied? Ergänzen Sie es. KI-Kompetenz ist keine einmalige Aktion, sondern eine Übersicht, die mitwächst.
Bei Schritt 1 setzt auch der KI-Transparenz-Check von Seviranta an: Wir erkennen, welches Chat-Widget auf Ihrer Website läuft, und halten das in einem KI-Register fest (welche KI, wofür, Status). Dieses Register liefert Ihnen sofort die Erfassung aus Schritt 1 und später Ihren Nachweis für die Transparenzpflicht.
Artikel 4 jetzt, Artikel 50 kommt
KI-Kompetenz ist die erste aktive Pflicht, aber nicht die letzte. Ab dem 2. August 2026 muss Ihr Chatbot beim ersten Kontakt sagen, dass er eine KI ist, und KI-Inhalte müssen maschinenlesbar gekennzeichnet sein; für generative Systeme, die es schon vor diesem Datum gab, gilt eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026. Auf Verstöße gegen diese Transparenzregeln stehen Bußgelder bis zu 15 Millionen Euro oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes. Die Aufsicht darüber liegt bei der jeweils zuständigen nationalen Aufsichtsbehörde. Wie diese Kennzeichnung funktioniert, haben wir bereits im Beitrag "Muss Ihr Chatbot sagen, dass er eine KI ist?" ausführlich beschrieben.
Praktisch: Dasselbe Register, das festhält, welche KI Sie nutzen, dient zugleich als Erfassung für Artikel 4 und als Nachweis für Artikel 50. Eine Übersicht, die in beiden Fällen zählt.
Erstellen Sie die Übersicht jetzt, solange es schlank geht. Der KI-Transparenz-Check erkennt Ihr Chat-Widget, liefert den Hinweistext und baut Ihr KI-Register auf, für 29 Euro pro Monat (jährlich 290 Euro, 2 Monate gratis; zzgl. MwSt.), einzeln oder als Erweiterung zu jedem Plan. Zum KI-Transparenz-Check. Noch keinen Scan gemacht? Scannen Sie Ihre Website gratis und sehen Sie in zwei Minuten, welches Widget läuft.
Quellen: Artikel 4, EU AI Act · Umsetzungszeitplan AI Act · EU AI Office: Living Repository KI-Kompetenz